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Scriptum . Geschichten . Gratwanderung.



Die Wolken stehen still.
Ich sitze draußen und rauche eine Zigarette.
Wie eisig kalt es schon ist.
Die Wolken stehen still, und ich frage mich, wann habe ich zum letzten Mal bemerkt, dass der Himmel so eingefroren aussieht? Wann habe ich überhaupt das letzte Mal draußen gesessen und die Wolken beobachtet?
Ich rauche und muss lächeln. Ich fühle mich fast erwachsen; fast eben nur, und nicht deswegen, weil ich es noch nicht bin, sondern weil ich mich nicht so richtig danach fühle. Ich wünsche es mir einerseits, und andererseits genieße ich diese jugendliche Freiheit.
Freiheit.
Sind wir jemals wirklich frei?
Wie definiert sich frei denn schon?
Ist nicht jeder von uns immer, egal wann, egal wo, an irgendetwas gebunden?
Haben wir nicht doch noch immer irgendetwas zu erledigen, müssen wir nicht doch noch zu irgendeinem Termin?
Hängen wir nicht doch noch irgendwie der ersten Liebe hinterher?
In meinem Kopf schwirren die Erinnerungen wie sanfter Nebel umher, nie ganz da, nie ganz fort. Ich erinnere mich an so vieles, so viele aufregende Tage, unvergessliche Momente. Eigentlich will ich gar nicht, dass diese Erinnerungen verschwinden, aber ich will auch nicht mein Leben lang in ihnen gefangen bleiben.
Wo beginnt die Grenze zwischen schöner Erinnerung und krankhaftem Festhalten?
Werden uns Augenblicke unseres Lebens niemals loslassen?
Oder sind wir bloß nicht bereit, sie loszulassen?

Ich bin mir nicht sicher, auf welcher Seite dieser Grenze ich stehe.
An manchen Tagen fühle ich mich ganz sicher davor, und an anderen Tage ist der Abgrund nur noch einen Atemzug entfernt.
Wo genau stehe ich nur?
Ich denke, ich sitze am liebsten ganz genau auf der Grenze.
Eine Gratwanderung zwischen Freiheit und Gefangenschaft.

Sind wir denn jemals wirklich frei?


3.12.08